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Koliken bei Säuglingen – Ursachen und sanfte Unterstützung

· Sabine Hofmann
Koliken bei Säuglingen – Ursachen und sanfte Unterstützung

Wenn ein Neugeborenes Nacht für Nacht schreit und sich nichts zu helfen scheint, geraten selbst die geduldigsten Eltern an ihre Grenzen. Koliken bei Säuglingen sind weit verbreitet – und doch fühlen sich viele Familien in diesen Phasen allein gelassen. Das Wissen, was hinter den heftigen Schreiattacken steckt und welche sanften Methoden wirklich helfen können, macht einen großen Unterschied.

Was sind Drei-Monats-Koliken?

Der Begriff „Drei-Monats-Koliken" ist etwas irreführend, denn es handelt sich nicht immer um Bauchschmerzen im klassischen Sinne. In der Medizin spricht man von exzessivem Schreien, wenn ein ansonsten gesundes Baby an mindestens drei Tagen pro Woche, mehr als drei Stunden täglich, über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen schreit – ohne erkennbaren Grund. Wie Wikipedia zum Thema Exzessives Schreien im Säuglingsalter beschreibt, handelt es sich um ein Ausschlussdiagnose: Erst wenn andere Ursachen ausgeschlossen wurden, trägt das Phänomen diesen Namen.

Betroffen sind je nach Schätzung zwischen 16 und 29 Prozent aller Säuglinge. Die Schreiphasen beginnen häufig in der zweiten bis dritten Lebenswoche, erreichen ihren Höhepunkt rund um den zweiten Monat und verschwinden in den meisten Fällen nach dem dritten Lebensmonat von alleine.

Das ist tröstlich – auch wenn es sich in schlaflosen Nächten nicht so anfühlt.

Ursachen aus ganzheitlicher Perspektive

Die Schulmedizin gibt zu, dass die genauen Ursachen der Bauchschmerzen beim Baby noch nicht vollständig geklärt sind. Aus ganzheitlicher Sicht lassen sich jedoch verschiedene Faktoren benennen, die oft zusammenspielen:

Das unreife Verdauungssystem

Der Darm eines Neugeborenen ist bei der Geburt noch nicht vollständig ausgereift. Die Darmperistaltik – also die wellenförmigen Bewegungen, die Nahrung vorwärtsschieben – kann unregelmäßig und schmerzhaft sein. Luft, die beim Trinken geschluckt wird, bleibt leicht stecken und verursacht Druckgefühle, die das Baby als intensiv und beängstigend erlebt.

Das Darmmikrobiom

Neuere Forschungen weisen darauf hin, dass Babies mit Koliken eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora aufweisen. Das Wissenschaftsportal Wissen Was Wirkt fasst zusammen, dass bestimmte Probiotika – vor allem Lactobacillus reuteri – bei gestillten Kindern die Schreidauer tatsächlich reduzieren können, wenngleich die Datenlage für nicht gestillte Babys weniger eindeutig ist.

Spannungen aus der Geburt

Aus osteopathischer Perspektive hinterlässt jede Geburt im Körper des Neugeborenen Spuren. Auch eine komplikationslose Entbindung stellt für den kleinen Körper eine enorme mechanische Herausforderung dar. Spannungen im Bereich von Schädel, Halswirbelsäule, Zwerchfell oder Darm können die Körperfunktionen beeinflussen – auch die Verdauung. Der Bundesverband Osteopathie e.V. beschreibt, wie sanfte osteopathische Behandlungen genau an diesen Stellen ansetzen, um Blockaden zu lösen und das körpereigene Gleichgewicht wiederherzustellen.

Reizüberflutung und Regulationsschwierigkeiten

Nicht immer ist der Darm die alleinige Ursache. Manche Babys haben schlicht Schwierigkeiten, sich selbst zu regulieren – sich aus einem Zustand der Überstimulation heraus zu beruhigen. Das Schreien kann dann auch Ausdruck einer allgemeinen Anspannung sein, nicht nur körperlicher Schmerzen.

Sanfte Unterstützung für Ihr Baby

Keine der folgenden Methoden wirkt bei jedem Kind gleich. Es braucht oft Geduld und das Ausprobieren verschiedener Ansätze, um herauszufinden, was dem eigenen Baby hilft.

Wärme und Körpernähe

Wärme entspannt die Bauchmuskulatur und beruhigt das Nervensystem. Ein leicht angewärmtes Kirschkernkissen auf dem Bauch (niemals heiß, immer die Temperatur vorher prüfen) oder ein warmes Bad können Linderung bringen. Ebenso wichtig: Körperkontakt. Im Tragetuch oder auf dem Arm eines ruhigen Erwachsenen regulieren sich viele Babys deutlich schneller.

Die Bauchmassage

Eine sanfte Bauchmassage im Uhrzeigersinn – also in Richtung der natürlichen Darmpassage – kann Luft und Stuhl bewegen und Druck abbauen. Die Apotheken Umschau beschreibt verschiedene Grifftechniken, die Eltern selbst erlernen können. Hebammen und Kinderkrankenschwestern bieten häufig Babymassagekurse an – ein lohnender Weg, um sich die richtigen Handgriffe unter Anleitung beibringen zu lassen.

Der Fliegergriff

Den Fliegergriff kennen viele Eltern: Das Baby liegt auf dem Bauch, quer über den Unterarm, der Kopf liegt in der Ellenbeuge, der Bauch ruht auf der Hand. Sanftes Wiegen in dieser Position entlastet den Darm durch den leichten Druck und wirkt auf viele Babys beruhigend.

Osteopathie bei Säuglingen

Wenn sich Koliken trotz aller Hausmaßnahmen hartnäckig zeigen, lohnt sich der Weg zu einer qualifizierten Osteopathin oder einem Osteopathen mit Erfahrung in der Säuglingsbehandlung. Die osteopathische Behandlung von Neugeborenen erfolgt mit federleichtem Druck – kaum spürbar für Außenstehende, aber für das Baby oft sehr wirkungsvoll. Studien zeigen, dass Babys nach kraniosacraler Behandlung sowohl weniger schreien als auch besser schlafen. Laut dem Bundesverband Osteopathie e.V. können Eltern dort qualifizierte Osteopathen in ihrer Region finden.

Ernährung und Probiotika

Stillende Mütter berichten manchmal, dass bestimmte Lebensmittel – etwa Kohlgemüse, Zwiebeln oder Kuhmilch – die Beschwerden ihres Kindes verschlimmern. Ob ein Zusammenhang besteht, lässt sich am ehesten durch ein Ernährungstagebuch herausfinden. Die ProNova BKK informiert darüber, dass bei Verdacht auf eine Kuhmilchproteinunverträglichkeit auch ein Wechsel auf hypoallergene Säuglingsnahrung in Betracht kommen kann – immer in Absprache mit dem Kinderarzt.

Wann zum Arzt?

Bei anhaltendem starkem Schreien sollte immer ausgeschlossen werden, dass eine ernstere Ursache vorliegt – etwa eine Mittelohrentzündung, ein Leistenbruch oder eine Nahrungsmittelintoleranz. Wenn das Baby zusätzlich Fieber hat, nicht zunimmt, Blut im Stuhl hat oder sich sein Schreimuster plötzlich verändert, ist ein Kinderarztbesuch dringend angezeigt.

Eine Erinnerung an alle Eltern

Koliken sind zeitlich begrenzt – auch wenn das Ende in den schlimmsten Nächten sehr weit entfernt erscheint. Holen Sie sich Unterstützung, wenn Sie erschöpft sind. Legen Sie ein schreiendes Baby für einen Moment sicher ab und gönnen Sie sich kurze Pausen. Und vergessen Sie nicht: Ihr Baby schreit nicht, weil Sie etwas falsch machen. Es sucht Nähe, Wärme und Regulation – und genau das geben Sie ihm, indem Sie da sind.